Vom Suchen

Es ist viele Jahre her. Ich stieg mit einem Freund in einer chinesischen Stadt (Kunming) in ein Taxi, um zu einem bestimmten Hotel zu gelangen. Obwohl wir die Sprache nicht beherrschten sahen wir keine Probleme. Denn wir hatten einen passenden – und zweisprachigen – Stadtplan. Diesen drückten wir dem Taxifahrer in die Hand, erläuterten ihm, wo wir hinwollten und fuhren dann auch schon los.

Als wir an einer ersten roten Ampel hielten, bemerkten wir den angestrengten Blick des Fahrers auf die Karte. Wir hatten das Gefühl, der Chauffeur wolle den Weg auswendig lernen.

An der zweiten roten Ampel griff er wieder zum Stadtplan, betrachtete ihn aufmerksam – und drehte ihn dann um 90 Grad.

Als er an der dritten Ampel das Dokument noch einmal um 90 Grad drehte, so dass es nunmehr auf dem Kopf stand, waren wir uns sicher: wir hatten eine der Personen erwischt, die des Lesens nicht mächtig war!

Im reichen Deutschland mögen wir darüber lachen. Aber versetzen wir uns doch mal in seine Lage: Niemand hat ihm je beigebracht, einen Text oder einen Stadtplan zu lesen. Er kam aus einer armen Familie – eine richtige Schule hat er nie gesehen.

Die “Schande” seiner Unkundigkeit mochte er uns gegenüber auch nicht zugeben. So probierte er einfach mal eine Strecke aus. Es war ein Abenteuer.

Zurück zu uns. Es ist richtig – wir lernen üblicherweise Schreiben und Lesen in der Schule. Und auch das richtige Interpretieren einer Landkarte oder eines Stadtplanes wird in der Regel irgendwann einmal im Geographie-Unterricht behandelt.

Nicht dagegen zum Lernstoff der Schule gehört das Suchen von Themeninhalten im Internet – jedenfalls ist dieser Unterrichtsstoff nicht weit verbreitet.

Sie glauben, das sei auch nicht erforderlich? Es gibt ja Suchmaschinen, die einem das abnehmen?

Es ist zwar richtig, dass diese einen Großteil der Arbeit verrichten. Aber wie bei jedem Computer gilt auch hier: Die Qualität des Ergebnisses hängt von der Güte der Eingabe ab.

Nehmen Sie folgendes Beispiel: Sie wollen wissen, was über Sie selbst im Internet steht? Sie gehen also auf www.google.de und tippen dort in die Suchleiste Ihren Vornamen und Ihren Nachnamen ein?

Wenn Sie das tun würden und vorhin über den Taxifahrer geschmunzelt haben – dann können Sie nun über sich selbst lächeln. Denn besser wäre es gewesen, Sie hätten Ihre Namensbestandteile in “Gänsefüsschen” gesetzt.

Es ist ein großer Unterschied, ob Sie in die Suchmaschinne eingeben:

  1. Otto Pionier
  2. “Otto Pionier”
  3. “Otto” “Pionier”

Vielleicht “üben” Sie nun einmal selbst. Versuchen Sie herauszufinden, wo die Unterschiede erklärt sind.

 

 

 

 

 

About Wolfgang Wagemann

Wolfgang Wagemann lebt im Rhein-Neckar-Raum.
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