Was kostet Software?

 

Vorbemerkung

Dies sind allgemeine Betrachtungen zu Preissystemen bei Software.

Im freien Internet bildet sich einer der am stärksten  “sozialistisch” ausgerichteten Machtblöcke der Welt. Damit  meine ich: die Dinge gehören allen und kosten nichts. Der Versand einer E-Mail? – Kostet nichts. Eine Suche im Internet? – Kostet nichts. Die Ansammlung von Speicherplatz? – Kostet nichts  – bei Flickr jetzt schon 1 Terabyte!

Ja, so wurde er ausgeschaltet – der Mechanismus,. dem der “Kapitalismus” sein Wesen verdankt – der Preis, der die Märkte über das Gesetz von Angebot und Nachfrage dirigiert. Vermissen Sie ihn nicht – jenen Indikator, der Ihnen etwas über die Wertschätzung eines Gutes im Markt sagt?

Stellen Sie sich vor, der Versand einer E-Mail würde in etwa soviel kosten wie der einer SMS. Dann gäbe es vermutlich auch so wenig Mail-Spam (also Müll) wie es SMS-Spam gibt. Denn jemand, der in großen Zahlen unerwünschte oder unsinnige Botschaften verschickt, würde dies finanziell spüren.

In anderen Bereichen hat man das früher erkannt. Als die Müllberge an Plastikflaschen und Getränkedosen zu groß wurden, hat man die Pfandpflicht eingeführt.

Die Vermüllung des Internet sieht man nicht. Aber man spürt sie. Denn die Zeit zur Sortierung von elektronischer Post mißt niemand. Auch die meisten Mail-Nutzer tun das nicht. Ansonsten wäre doch sofort klar, dass der Aufwand zum Herausfiltern von Müll viel größer ist als es kosten würde, wenn alle ein paar Cent für den Versand von Mails bezahlen müßten. A

Bei SMS akzeptieren die Marktteilnehmer, dass dies etwas kostet. Bei Mails sind alle dagegen bereits daran gewöhnt, dass dies nichts kostet – das zu ändern dürfte riesige Protestwellen auslösen.

Ich möchte Sie nur ein wenig zum Nachdenken über das Thema animieren. Insbesondere, wenn Sie selbst entwickeln, sollten Sie natürlich ganz am Anfang auch überlegen, für welchen “Lohn” Sie das machen. Hier sind einige Anfangsgedanken dazu.

Dieser Text ist primär aus Sicht eines Bezahlenden geschrieben. Auch davon sollte man sich nicht stören lassen – das sind am Ende Ihre Kunden.

 

Jetzt zum Eigentlichen

Public-Domain-Software – Haben Sie diesen Begriff schon mal gehört? Wenn Sie sich im Internet-Tummeln wollen – insbesondere als Entwickler -, dann wird er Ihnen früher oder später begegnen.

Es handelt sich dabei um Software, die frei verfügbar ist (also von “öffentlichen Webadressen” – eine etwas gewagte Übersetzung von “Public Domain”, die selbst mit dem Wortbestandteil “Web” doch auch wieder einen Anglizismus verwendet).

Toll! Wo gibt es das sonst? Man bekommt etwas umsonst – geschenkt.  Dabei kann man richtig umfangreiche Pakete erhalten, zum Beispiel für die Erstellung von Websites mit allem drumherum.

Ist das gut? Wenn Ihnen jemand auf offener Straße begegnet, um Ihnen ein Präsent in die Hand zu drücken, würden Sie wahrscheinlich auch erst einmal mißtrauisch sein.

Außerdem fällt Ihnen vielleicht der Spruch ein: “Was nichts kostet, ist auch nichts wert”.

Aber dann kommen Sie gedanklich auf Anwendungen wie Google, Firefox, Ihren Mail-Provider und andere. Sie kosten alle nichts. Und sind – stark untertrieben – doch alle gar nicht so schlecht. Und sie werden milliardenfach genutzt.

Nun stellen Sie sich einmal vor, eine Google-Suche würde 1 cent kosten. Das würde Google sicherlich einen großen Gewinnsprung bescheren, aber gleichzeitig würde es die Anzahl der Suchen deutlich reduzieren. Sicherlich würden alle Suchenden sich zunächst etwas genauer überlegen.

Und wie wäre ein anderes Preismodell? Zum Beispiel könnte man einen Preis von 100 EUR verlangen, mit dem man einmalig die “Suchrechte” erwirbt. Dafür wäre dann jede einzelne Suche umsonst.

Würden Sie das bezahlen? Nein, Sie würden natürlich auf einen anderen Anbieter ausweichen, bei dem die Suche nichts kostet. Also, anders gesagt: wir erwarten bestimmte Dienstleistungen kostenlos – selbstverständlich.

Es ist wie das Lächeln des Kassierers an der Supermarktkasse: Sie erwarten das, Sie würden dafür nie Geld bezahlen. Anders übrigens im Restaurant: Der Kellner kann von Ihnen vielleicht ein höheres Trinkgeld erwarten, je freundlicher sein Service war (oder geben Sie immer Trinkgeld in gleicher Höhe?).

Warum wird der Kellner anders bezahlt als der Supermarktkassierer? Wahrscheinlich wird der Supermarkt eher als “Selbstbedienungsladen” gesehen: da man seinen eigenen Service machen muss, wird die Service-Komponente nicht separat bezahlt.

Damit sind wir beim zweiten denkbaren Preismodell für Software: freiwillige Spenden – wenn es Ihnen gefällt, geben Sie “Trinkgeld”. Oder Sie lassen es bleiben.

Wenn Sie schon einmal ein Firefox-AddOn heruntergeladen haben, erinnern Sie sich vielleicht an die Aufforderung “Donate”. Und – haben Sie etwas gegeben?

Und schließlich kann man Software ganz regulär “kaufen” (oder Nutzungsrechte erwerben, oder Support-Lizenzen beziehen, und all das entweder einmalig oder laufend).

Der Trend geht sicherlich in die Richtung, dass die Nachfrage nach kostenloser Software zunimmt. In nachfolgendem Diagramm sieht man die Entwicklung in Deutschland: wie oft wurde bei Google das Wort “kostenlos” gegoogelt? Das zeigt dieses Diagramm, und zwar im Quervergleich mit den Begriffen “”günstig” und “billig” (bei Klick geht ein neuer Tab oder ein neues Fenster auf – dort sieht man die auf den jetzigen Zeitpunkt aktualisierten Ergebnisse): Google Insights .

Aus Sicht es Entwicklers ist dies natürlich problematisch: der Preisdruck ist deutlich zu spüren. Allerdings kommt dem Entwickler natürlich auch zugute, dass die Software, die er benutzt, ebenfalls den gleichen Preistrends unterworfen ist.

Aus Sicht des Anwenders ist die Entwicklung bei erster Betrachtung schön: es gibt soviel “umsonst”. Allerdings geht dies einher mit verstärktem Erfordernis, die Qualität zu prüfen. Jeder, der schon einmal ein “gadget”, ein “add-on”, ein “plugin” oder ähnliches heruntergeladen hat, kann davon ein Lied singen.

Nehmen Sie als Beispiel Software zur Verwaltung von Büchern. Manchmal versagen solche Systeme schon beim Speichern von ISBN. Manchmal gibt es keine Möglichkeit, Links auf andere, ähnliche Bücher zu setzen. Und manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die man als Informatik-Laie kaum merken würde, etwa wenn der Autorenname nicht aufgeteilt wird in Nach- und Vorname (was Schwierigkeiten macht bei alphabetischer Sortierung, insbeondere wenn der User nicht konsistent immer erst den Nachnamen und dann den Vornamen eingibt).

Oft ist es so, dass Software in Foren bewertet wird. Aber das ist ein bisschen wie beim Fernsehen: das Programm wird dort maßgeblich durch die Einschaltquoten bestimmt, also die “Bewertung” der Fernsehzuschauer – aber haben wir am Samstag abend wirklich immer das “beste” Programm?

Nun ja, wir haben einen kleinen Streifzug gemacht: Man kann sich die Erstellung von Software gar nicht, auf freiwilliger Basis oder voll bezahlen lassen. Man kann  die Nutzung laufend oder einmalig vergüten lassen. Sie sollten all diese Varianten durchdenken, bevor Sie irgendetwas entwickeln. Und vergessen Sie nicht: Sie haben immer auch Konkurrenten.

 

About Wolfgang Wagemann

Wolfgang Wagemann lebt im Rhein-Neckar-Raum.
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