Shitstorms von Dichtern und Denkern

In einer Zeit vor Hitler gab es in Deutschland eine sehr produktive intellektuelle Community. Bis 1933 wurde Deutschland daher oft auch das Land der Dichter und Denker genannt. Die nationalsozialistische Barbarei hat dafür gesorgt, dass vieles vernichtet wurde.

Heute scheint Deutschland das Land der Shitstorms – darunter versteht man das Übergießen mit Häme, Spott und Verachtung einer Person oder eines Ereignisses im Internet – geworden zu sein. Jedenfalls wird primär im deutschsprachigen Raum – und insbesondere in Deutschland – nach diesem Begriff auf Google gesucht. In anderen Ländern spielt das Thema interessanterweise keine Rolle.

Das folgende Bild zeigt die regionale Verteilung von Google-Suchen nach diesem Begriff.

Regionalverteilung Shitstorm Suchen

Regionale Verteilung von Google-Suchen nach dem Begriff Shitstorm

 

Das Bild umfasst den Zeitraum von 2005 bis zum Mai 2014.

Interessant ist außerdem der zeitliche Verlauf und der Kontrast mit dem positiven Gegenstück Lovestorm.

Weltweite Google-Suchen nach Begriffen Shit- und Lovestorm

Weltweite Google-Suchen nach Begriffen Shitstorm einerseits und Lovestorm andererseits.

 

Man erkennt deutlich das erste Aufkommen Anfang 2007 und den Vollzug des Quantensprungs circa 2013 – mit einer Vervielfachung der Suchanfragen. Erst viel später ist der Lovestorm aufgekommen.

Das Internet wird also auch gerne benutzt, um andere zu beschimpfen. Lob dagegen scheint deutlich seltener ausgesprochen zu werden. Wir alle kennen Foren, in denen einfach nur Anhäufungen von Schimpfwörtern niedergeschrieben werden. Es gibt dort keine echte Reflexion mehr. Vielmehr schaukeln sich die negativen Stimmen einfach hoch.

Das ist traurig und gefährlich zugleich. Unter dem Schutz der Anonymität lassen sich Beleidigungen, Schadenfreude und ähnliche Dinge sehr gut verbreiten.

Dabei würde doch die Pressegesetzgebung als ideales Vorbild zur Verfügung stehen: Leserbriefe tragen entweder den Namen des Verfassers oder aber dieser ist zumindest der Redaktion bekannt.

Kann man etwas gegen die Verbreitung von Shitstorms tun? Sicherlich schwer in der Breite. Doch im Einzelfall schon. Beispielsweise kann man den Reigen kritischer Äußerungen mit einem positiven Kommentar durchbrechen. Oder jedenfalls mit einem begründeten, differenziert gezeichneten Bild.

Vorbildlich sind auch die Möglichkeiten mancher Websites, Kommentare oder Bilder zur Überprüfung an einen Zentralmoderator zu melden. Diese Websites haben in der Regel auch Forenregeln, die beleidigende oder diskriminierende Texte verbieten.

 

About Wolfgang Wagemann

Wolfgang Wagemann lebt im Rhein-Neckar-Raum.
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