Profile – vermeiden Sie zu große Neugier anderer

In fast allen Datenschutz-Debatten wird beklagt, dass große “Datensammler-Unternehmen” Profile erstellen und systematisch ausnutzen können.

So könnte man verfolgen, welche Reisen jemand macht, wo er sich aufhält, welche Eissorten er mag, in welchen Läden er seine Kleidung kauft, wie lange er arbeitet, welche Sportarten er ausübt, welche Automarken er schick findet, welche Düfte er bevorzugt usw.

Kann man diese Datenaggregation vermeiden, wenn man sie nicht möchte? Ja, das geht – ganz einfach sogar.

Es genügt, wenn Sie mehrere E-Mail-Adressen verwenden. Wenn Sie im Internet eine Reise buchen, verwenden Sie zum Beispiel vorname.nachname.reisen@anbieter.de. Beim Wareneinkauf von Kleidung können Sie dagegen  vorname.nachname.kleidung@anbieter.de benutzen. Sie fügen also einen differenzierenden Annex bei, der auch Ihnen hilft, den Überblick zu bewahren.

Natürlich müssen Sie all diese einrichten. Um sich das Leben etwas einfacher zu machen, können Sie all diese Spezial-Adressen mit E-Mail-Weiterleitungen an Ihre Primär-E-Mail ausstatten.

Eine noch einfachere Variante ist: Sie verwenden eine E-Mail-Adresse für alle Dinge, bei denen Sie nicht in Erinnerung bleiben wollen (z.B. vorname.nachname.einmalig@anbieter.de) und eine andere für Ihre Freunde und Bekannten.

Worauf es also ankommt, ist Entkopplung: statt den Sammlern das Leben mit einer E-Mail-Adresse und einem damit verbundenen Profil leicht zu machen, können Sie sich so auf mehrere – unabhängige – Profile “aufteilen”.

Sie können auch noch einen Schritt weiter gehen. Wenn Sie nach dem Annex auch noch Jahreszahlen ergänzen, können Sie die alten E-Mail-Adressen gelegentlich wegwerfen oder jedenfalls lediglich auf Archivfunktionen beschränken.

Übrigens: oft gelten Internet-Provider als die wichtigsten Sammelwütigen. Aber es sind natürlich auch andere: Telekommunikationsunternehmen, Banken, Kreditkartengesellschaften und ähnliche mehr könnten auch aus ihren Datenbeständen Profile erstellen. Das Procedere, das hier für die Mails beschrieben ist, müßte also auch auf die von solchen Unternehmungen bezogenen Dienstleistungen ausgeweitet werden. Nur Sie können entscheiden, wie weit Sie Ihren Aufwand treiben wollen.

Und natürlich werden manche bequemen Dinge dann plötzlich aufwendig. “Registrieren Sie sich mit Ihrem …-Account” ist der Profil-Erzeuger schlechthin. Es ist der Vorteil der sozialen Netze, dass man sich bequem überall registrieren kann – aber natürlich um den Preis, dass man “gläsern” wird. Auch dort kann die Lösung nur sein, nicht ein Profil zu verwenden, sondern dieses in mehrere aufzuteilen. Oder aber, man registriert sich nie über die sozialen Netze, sondern immer über die E-Mail (mit der man wie oben beschrieben steuern kann, welchem Account die jeweilige Anmeldung zugeordnet wird).

Und noch eine weitere “Ach, übrigens”-Bemerkung muß ich machen: Vielleicht geht es Ihnen manchmal wie mir: mich interessiert die Werbung für Dinge nicht, mit denen ich gar nichts zu tun habe. Wenn man in eiinem großen Mietshaus ohne Garten wohnt, kann man sich Reklame für Gartengeräte m.E. sparen. und Kinder werden mit Angeboten für Seniorenreisen auch nicht immer so viel anfangen können.

Umgekehrt wünsche ich mir manchmal passgenauere, treffende Ansprache. Aber die können Unternehmen natürlich nur dann machen, wenn, ja wenn, mein Profil dort gespeichert ist.

Bei Amazon können Sie steuern: Sie erhalten Buchempfehlungen aufgrund vergangener Käufe. Und Sie können zu jeder Empfehlung sogar anzeigen lassen, auf welchem vergangenen Kauf diese basiert. Sollte dies eine einmalige Angelegenheit gewesen sein (Hochzeitsratgeber braucht man ja nicht ständig), kann man dies “abwählen”. So kann man selbst steuern – auch nicht schlecht, wenn man sein Profil selbst beeinflussen kann.

Und noch ein ganz kleines “Übrigens” muss ich nachreichen. Nochmal auf die obigen E-Mail-Adressen zurückkommend: Niemand zwingt Sie, Ihren Namen schon in der Adresse preiszugeben. Sie könnten ja auch donald.duck.reisen.2014@anbieter.de verwenden. Denn Sie wissen ja, dass nicht immer nur der Betreiber eines Webshops Ihre Adresse hat. Manchmal gibt er sie weiter – legal oder illegal. Da kann man ruhig etwas verschleiern.

 

About Wolfgang Wagemann

Wolfgang Wagemann lebt im Rhein-Neckar-Raum.
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